Über die Menschenamphibien

Die Welt der Menschenamphibien (homo amphibiaensis)

 

Allgemein

Die Menschenamphibien werden wissenschaftlich Anthrophibien genannt, aus dem Altgriechischen ánthropos („Mensch“) und amphíbios („zwei Lebensräume“) zusammengesetzt. Es sind anthropomorphe Wesen, also Zwitterwesen, die hundertprozentig wie Menschen aussehen, jedoch die Fähigkeit besitzen, auch unter Wasser zu atmen und zu leben. Sie nennen sich auch Doppelatmer (oder wissenschaftlich „Dipnoi“).

Die Gattung der Uramphibien hat sich vor ca. 200 Millionen Jahren (zu Beginn des Jura) von den Ichthyosauriern abgespalten, den Vorfahren der Delfine; im Laufe der Evolution sind diese wiederholt an Land und zurück ins Wasser gewandert und haben so die Fähigkeit entwickelt, in beiden Lebensräumen zu existieren.

Die Uramphibien waren Säugetiere, die sich von Vierfüßlern (Tetrapoden) zu Zweibeinern (Bipoden) entwickelten. Nach diesem Evolutionssprung fand eine erneute Abspaltung statt.

Aus den zweibeinigen Uramphibien entwickelten sich die Landamphibien und die Wasseramphibien. Die Mitglieder dieser beiden Arten wurden im Laufe der Entwicklung dem heutigen Menschen immer ähnlicher. Von den Landamphibien stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Menschen ab.

Man kann also sagen, dass sich drei Arten aus der Gattung der Uramphibien entwickelten, die fast gleichzeitig in der Geschichte der Evolution (was, wenn man über Evolution spricht, einige hunderttausend Jahre ausmacht) auftauchen: Landamphibien, Wasseramphibien, Menschen.

Die Atemorgane dieser Arten passten sich ihren Lebensräumen an. Bei den Landamphibien und Menschen vereinfachten sie sich, bis schließlich die Kiemen verschwanden, denn sie waren für das Leben an Land überflüssig geworden. Allein bei den Wasseramphibien blieben beide Atemorgane, und die Kiemen in den Nasenlöchern waren über eine kurze Zeitspanne (etwa 90.000 Jahre) die primären Atemorgane. Seit die Wasseramphibien jedoch eine Technologie entwickelten, in ihren Unterwassereinrichtungen Luft zu erzeugen, sind Lungen- und Kiemenatmung gleich entwickelt.

Die Landamphibien leben also nur an Land und sind ihrem Wesen nach blutrünstig, wild, unkultiviert und sie ernähren sich hauptsächlich von Aas, wie die Menschen.

Sie sind überwiegend Einzelgänger und Nomaden. Es gibt jedoch Landamphibien, die eingebunden in menschlich-soziale Strukturen (Familien) leben und ihre Raubtierinstinkte unterdrücken. Sie fallen allein durch besondere Fähigkeiten auf – wie größere Körperkraft oder auch kriminelle Energie bis hin zum Töten.

Die Wasseramphibien leben in den Weltmeeren und sind hauptsächlich in Schulen organisiert. Sie sind friedvoll und kultiviert, haben das Töten von menschlicher Beute verboten, jagen nur gezielt und bewusst Meereslebewesen und sind bestrebt, die Menschen und ihre eigene Art zu beschützen. Da ihr Lebensraum in Teilen durch den Menschen bedroht ist, sind die Wasseramphibien in kleinen Siedlungen unter dem Meeresgrund und in Felsformationen am Meeresgrund zu Hause. Ihre Wohnungen sind komfortabel, ähnlich denen der Menschen. Dort gibt es Luft, die sich von der an Land dadurch unterscheidet, dass sie vollkommen rein ist. (Sie wird aus einer bestimmten Braunalge und Meerwasser in einem komplizierten Verfahren gewonnen, das sich seit Urzeiten bewährt hat.)

Weltweit gibt es fünf Schulen, die sogenannten Thalassa-Schulen, Unterwasserinternate, die für Hunderte von jungen Amphibien Lebensraum und Schule gleichzeitig sind. Sie sind das Zentrum der Ansiedlungen, in diesen Gebieten finden sich auch die Unterwassersiedlungen, wo auch die Angehörigen der Thalassa-Schüler leben.

Die Thalassianer lernen was auch Menschenschüler in deren Schulen lernen, zusätzlich aber auch alles über ihre eigene Art. Sie sprechen die Sprache des Landes, in dessen Nähe sich die Thalassa-Schule befindet, außerdem eine Reihe anderer Sprachen. Englisch ist jedoch ihre erste Muttersprache und ihre internationale Sprache. Zusätzlich lernen sie schon sehr früh Lippenlesen, um sich unter Wasser zu verständigen. Ihr
soziales Leben ist dem des Menschen sehr ähnlich. Ihrem Wesen nach sind sie jedoch ebenfalls Raubtiere.

Die beiden Arten sind natürliche Feinde und haben sich seit Jahrtausenden stets bekämpft. Sie leben seit Jahren nach dem letzten Krieg durch einen Pakt in Frieden miteinander. Der Pakt besagt, dass sie sich aus der Welt der anderen heraushalten müssen und dass das Überschreiten der Grenzen zwischen ihren Welten einem Paktbruch gleichkommt, also einer Kriegserklärung. Allein Wasseramphibien mit einer besonderen Ausbildung, den sogenannten Boten, ist es gestattet, die Grenzen zu überschreiten, um Dinge von oben zu beschaffen, die in der Welt unter Wasser benötigt werden.

Seit Urzeiten gibt es auch Mischlinge, Nachfahren mit Mischeltern, entweder von Landamphibien und Menschen, Wasseramphibien und Menschen oder auch – allerdings äußerst selten aufgrund der natürlichen Feindschaft – von Landamphibien und Wasseramphibien. Heute ist nicht bekannt, ob es noch letztere Mischform gibt, da der Kontakt zwischen den Arten durch den Pakt unterbunden ist. Eine Mischbeziehung dieser Art käme einem Paktbruch gleich und müsste bestraft werden.

Weltweit leben schätzungsweise etwa 100.000 Menschenamphibien und Mischlinge; für beide Arten gilt strengste Geheimhaltung gegenüber den Menschen.

Physische Eigenheiten

Die Menschenamphibien sind optisch von Menschen nicht zu unterscheiden. Sind sie jedoch im Blutrausch, verändern sich ihre Zähne, sie spitzen sich alle (wie bei einem Reptil oder Hai), Gift strömt hinein, mit dem sie ihre Beute töten. Die Pupillen verformen sich bei den Landamphibien zu waagerechten Schlitzen, bei Wasseramphibien hingegen zu senkrechten Schlitzen; die Iris der Landamphibien färbt sich gelblich, die der Wasseramphibien dagegen silbern.

Einziges ausgeprägtes Merkmal ihrer gemeinsamen Abstammung: Die Landamphibien können ungewöhnlich lange unter Wasser verweilen, ohne zu ertrinken. Sie nehmen winzige Mengen Sauerstoff aus dem Wasser über die Hautporen auf, müssen jedoch den Atemreflex unterdrücken, sonst würden sie ertrinken. 

Merkmale der Landamphibien: Sie haben oft mandelförmige Augen und die Farbe ist meist Hellbraun. Wenn sie ausgewachsen sind, können sie sich vom Aussehen verändern und ihre Haut, das Gesicht und die Gliedmaßen sehen dann einem Reptil sehr ähnlich. In dieser verwandelten Form sind ihre Kräfte am stärksten.

Merkmale der Wasseramphibien: Sie machen im Alter von ca. 16-19 Jahren eine Verwandlung durch, vielleicht vergleichbar mit der Pubertät bei den Menschen. Diese Verwandlung vollzieht sich innerhalb von etwa drei Tagen und ist schmerzhaft. Danach können die Wasseramphibien auch an Land atmen, was vor der Metamorphose unmöglich ist. Vor der Metamorphose würden sie an der Luft oben ersticken, da diese durchsetzt ist mit vielen anderen Stoffen, die ihre Lungen nicht filtern können.

Die Kiemen der Wasseramphibien befinden sich in den Nasenlöchern, wo sie zwei Kanäle haben: einer der Kanäle für das Ein- und Ausatmen von Luft und der andere von Wasser.

Im Laufe ihrer Evolution entwickelten sie kräftige Muskeln rund um die Augen, die die Form der Linse so stark verändern können, dass die Augen zum Scharfstellen sowohl an der Luft als auch im Wasser geeignet sind. Diese Eigenschaft verleiht ihnen einen sehr intensiven Blick, der von Menschen als hypnotisch wahrgenommen wird.

Die Art der Wasseramphibien kennt außerdem ein besonderes Phänomen. Wo das Böse auftaucht, dort tauchen auch Auserwählte auf, die mehrere Verwandlungen durchleben und dadurch immer mehr Fähigkeiten bekommen, bis sie mit der letzten Verwandlung, de Verwandlung zum Diamantkörper, unsterblich werden.

Normalerweise sind die Wasseramphibien bodenständig, haben keine Götter und auch keine Religion und sind frei von Aberglauben. Deshalb zählen diese Dinge für sie zum Reich der Legenden, und das Geheimnis um die Existenz der Unsterblichen wird streng gehütet. Die Auswahl dieser besonderen Amphibien ist ein Mysterium, ebenso welches die Merkmale sind, die sie zu Auserwählten bestimmen. Nur die Mentoren kennen sie.

Die erste Verwandlung der Auserwählten ist die Kristallverwandlung. Sie wird mittels eines Ganzkörperanzugs möglich, der innen eine dünne Schicht mikrofeiner Kristalle hat. Diese verschmelzen über die Poren unter großem Druck des Wassers in 1.000 Metern Tiefe mit der Haut der Amphibien. Danach haben sie den sogenannten Kristallkörper.

Neue Fähigkeiten der Kristallverwandelten: Sie sind stärker, schwimmen schneller, haben schärfere Sinne (zum Beispiel die Energiekörper der Dinge und Lebewesen wahrnehmen), können im Wasser Gefühle der Lebewesen, Blut in millionenfacher Verdünnung oder weit entfernte Geräusche wahrnehmen, können durch die Oberflächenspannung des Wassers auf dem Wasser laufen. 

Daneben haben die Auserwählten eine Reihe individueller Fähigkeiten. Beispielsweise die Fähigkeit, im Wasser unsichtbar zu werden. 

Für die Verwandlungen werden ein bestimmter Schwimmanzug, ein Amulett und die geheime Formel aus dem Amphiblion, dem heiligen Buch der Amphibien, benötigt. Die genauen Anweisungen – die geheimen Lehren – stehen in diesem Buch, das ebenso gehütet wird wie das Geheimnis um die Existenz dieser Auserwählten.

Reine Landamphibien könnten nie mehrere Verwandlungen durchmachen und unsterblich werden. Mischamphibienverwandlungen sind zwar bekannt, aber äußerst selten, denn in diesem Fall müsste derjenige im Sterben liegen, bevor er sich verwandeln kann.

Getötet wird ein Unsterblicher auf zwei Arten: durch Köpfen (schnelle Art) oder das Gift eines voll verwandelten Landamphibions (langsame, qualvolle Art).